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Der Lauf meines Lebens – Im Kampf gegen den Krebs zur Ironwoman

Einleitung

Die Diagnose

Die Worte ‚infiltrierendes duktales Karzinom’ schockierten und betäubten mich. Ich konnte nicht glauben, was ich gerade gehört hatte. Als dieses potenzielle Todesurteil seine Wirkung entfaltete, ergriff mich eine wilde, unkontrollierbare Panik. „Oh, nein!“, schrie ich, „Nein, nein, nein….“ Die vernichtenden Worte der Diagnose Krebs hallten in meinem Kopf wider, während ich gegen Schwindel und Übelkeit ankämpfte. Ich fühlte mich wie in einem schrecklichen Alptraum, aus dem ich gerade erwachte.

Nur einige Minuten zuvor, während ich nach der Biopsie auf die Ergebnisse der Gewebeuntersuchung wartete, war ich mir sicher – und sogar fest davon überzeugt – gewesen, dass die krankhafte Wucherung in meiner Brust gutartig war. Ich sagte mir immer wieder, dass alles bestimmt in Ordnung kommen würde, so wie es immer in meinem Leben gewesen war, wenn sich eine Tragödie anbahnte. Hatte ich nicht immer alles richtig gemacht? Als mir die Realität bewusst wurde, fühlte ich mich völlig einsam. Niemand hörte meinen stummen Schrei: „Das ist nicht fair!“

Ich hatte mich stets ‚ausgewogen’ ernährt und vor Jahren dem roten Fleisch abgeschworen. Ich hatte viel Sport getrieben und war sogar ein paar Marathons gelaufen. Ich war immer regelmäßig zur Vorsorgeuntersuchung inklusive Mammographie gegangen und hatte meine Brust jeden Monat mit religiösem Eifer untersucht.

Wie konnte das passieren? Und warum mir? So etwas gibt es doch nur im Film – oder widerfährt anderen Menschen, dachte ich. Ich hatte immer ein recht konventionelles Leben geführt: gesund, erfolgreich, regelkonform. Im Spiel des Lebens hatte ich sogar richtig gute Karten bekommen. Ich war attraktiv genug gewesen, um den ein oder anderen Schönheitswettbewerb zu gewinnen, und ich trat sogar drei Mal in der FernsehTV-Serie Hawaii 5-O  auf. Ich war gebildet, hatte einen spannenden, gut bezahlten Job als Militärlogistikerin, der mit Reisen in die ganze Welt verbunden war. Alle vier Großeltern hatten ihr neunzigstes Lebensjahr erreicht, weshalb ich davon ausgehen konnte, dass meine Gene recht gut waren. Ich führte eine – wie ich dachte – gute, stabile Ehe und hatte zwei aufgeweckte, hübsche und erfolgreiche Kinder. Mein Leben hätte nicht besser sein können!

Warum also diese Lawine der Zerstörung? Ich war gerade sowohl zu Mischung aus ‚lebenslänglich’ als auch ‚zum Tode’ verurteilt worden. Lebenslänglich, weil es immer noch keine wirkliche Heilmethode für Brustkrebs gibt, und zum Tode, weil Brustkrebs eine der Haupt-Todesursachen für erwachsene Frauen ist. Jede siebte oder achte amerikanische Frau stirbt daran. Er galt außerdem als Todesursache Nummer eins für Frauen in meiner Altersgruppe.

„Oh Gott, was soll ich jetzt machen?“, fragte ich die beiden Chirurgen, die mich behandelten. „Noch eine Operation“, sagte der Oberarzt. „Ich empfehle Ihnen eine eingeschränkte radikale Mastektomie, weil der Tumor so groß ist.“

Ich hatte die Chirurgen dazu überredet, mich (gegen jede bessere Meinung, wie sie sagten) bei meiner ersten Operation zuschauen zu lassen. Anstelle einer Vollnarkose hatte ich nur eine örtliche Betäubung bekommen und war deshalb Zeugin davon geworden, wie die Chirurgen einen golfballgroßen Brocken aus meiner rechten Brust schnitzten. Weil ich glaubte, die Größe in Gedanken sicherlich zu übertreiben, versuchte ich, das Bild schrumpfen zu lassen. Aber vergeblich. Der Tumor war immer noch schrecklich groß.

Die Art von Operation, die die Chirurgen gerade empfahlen, beinhaltete das Entfernen des nach der Biopsie übrig gebliebenen Brustgewebes, des Bindegewebes, das die Brustmuskeln bedeckt, der Brustwarze und aller Lymphknoten in der Achselhöhle. Eine Lumpektomie, bei der nur der Tumor selbst und das angrenzende Gewebe entfernt werden, stand außer Frage, weil sich die Krebszellen bereits zu stark verbreitet hatten. Die Ärzte sagten mir, dass nach der Operation Tests durchgeführt werden müssten, um die Ausbreitung zu bestimmen. Wie sich herausstellte, waren zwei der Tests positiv, und beide ergaben, dass der Krebs gestreut hatte. Es gab ein krebs-positives Knochen-Ultraschallbild, und die Röntgenaufnahme der Brust wies auf einen Befall meines linken Lungenflügels hin.

Zu jener Zeit fühlte ich mich von meinen Brüsten betrogen, deshalb hatte ich kein Problem damit, der Operation zuzustimmen – ich musste gar nicht erst darüber nachdenken. Als die Chirurgen vorschlugen, auch die andere Brust abzunehmen, nachdem ich mich von der ersten Amputation erholt hätte, war ich bereit, beide Brüste zu opfern, obwohl es keine Garantie dafür gab, dass dies mein Leben retten würde, auch nicht mit Chemotherapie und Bestrahlung. Bösartige Tumoren haben nämlich die Angewohnheit, Zellen zu streuen – so genannte Metastasen –, die sich in entfernte Körperteile ausbreiten. Die Brüste zu amputieren, glich an diesem Punkt dem Schließen der Stalltür, nachdem das Pferd bereits geflüchtet war. Mit Chemotherapie und Bestrahlung weiterzumachen war ebenfalls nicht sehr vielversprechend.

Auf meine nächste Frage schüttelten die Ärzte (jetzt waren drei im Raum) den Kopf und sagten: „Wir wissen nicht, ob Sie noch drei Monate, drei Jahre oder sonst wie lange zu leben haben. Wir wissen nicht, ob er gestreut hat, und wenn, bis wohin. Und warum, wissen wir schon mal gar nicht…“

Meine Angst wurde noch verstärkt, wenn ich daran dachte, wie der Arzt sich die deutlich sichtbare Geschwulst angeschaut hatte, als ich Anfang dieser Woche bei ihm war, und wie er mich mit großer Besorgnis in der Stimme fragte: „Warum sind Sie nicht schon viel früher gekommen?“ Mich hatte augenblicklich Panik ergriffen, und gleichzeitig war ich wütend geworden.

„Was meinen Sie mit ‚nicht schon viel früher gekommen’?“, hatte ich förmlich geschrieen. „Ich war doch erst vor drei Monaten hier gewesen, und man sagte mir, dieser… dieser…“ Ich stotterte inzwischen. Ich beruhigte mich, holte tief Luft und sagte: „Man sagte mir, diese Geschwulst wäre bloß Narbengewebe von der vorherigen Biopsie.“ Sechs Monate zuvor hatte ich den Ärzten schon zu erklären versucht, dass dieses ‚Narbengewebe’ wuchs, aber sie hatten mir wiederholt versichert, dass ich mich irrte und alles normal sei. Als ich die Geschwulst vor drei Jahren entdeckt hatte, war mir beteuert worden, ich müsse mir darüber keine Sorgen machen.

„Egal“, sagte er, „wir müssen sofort einen Termin für eine Operation machen.“ Plötzlich wurde mir klar, dass bei der Biopsie im Jahr zuvor der Krebs nicht erkannt worden war. Nun könnte es bereits zu spät sein!

Brustkrebs zu haben, war schlimm genug. Herauszufinden, dass der Krebs in meiner Brust seit drei Jahren aufgrund der Unerfahrenheit, Ignoranz oder Arroganz eines Arztes wuchs, war dagegen mehr, als ich ertragen konnte.

Mit Tränen in den Augen erlebte ich den schlimmsten Moment meines Lebens. Ich wollte schreien, brüllen, um mich schlagen, rasen, meinen Ärger ablassen, mich umdrehen und sterben.

„Halt, Moment mal“, dachte ich. „Ich bin noch nicht bereit, mich umzudrehen und zu sterben.“ Ich wollte kämpfen, um zu leben und gegen dieses Todesurteil mit allem ankämpfen, was ich besaß. Wie konnte ich es mir also leisten, auf genau die Menschen wütend zu sein, die mein Leben retten sollten?

Wenn mir nur noch wenig Zeit blieb, musste ich etwas unternehmen. Es gab eine Menge zu tun. So begann ich den Lauf meines Lebens.

 

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