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Johannes Steck

ist einer der erfolgreichsten deutschen Hörbuchinterpreten. Er wurde 1966 in Würzburg geboren, machte eine Ausbildung zum Theatermaler, studierte dann an der Wiener Schauspielschule und betreibt inzwischen in München sein eigenes Tonstudio.
Auch „Boston Run – Der Marathon-Thriller“ aus dem Sportwelt Verlag hat er seine Stimme geliehen.
 

Hallo Herr Steck, Theatermaler, Schauspieler, Hörbuchsprecher – was kommt als nächstes?

Mein erstes Buch. Aber über ungelegte Eier möchte ich lieber nicht sprechen.

Wann rechnen Sie denn damit, dass das Manuskript fertig wird?

Ein Jahr wird es voraussichtlich noch dauern. Schließlich nimmt die Fertigstellung des neuen Tonstudios sehr viel Zeit in Anspruch. Außerdem hatte ich zuletzt so viel zu tun, dass auch dort die Arbeit nur langsam voran ging.

Worin liegt für Sie die Faszination des Hörbuchsprechers? Oder ist es eher „ein Job wie jeder andere“?

Schon als Kind habe ich gern Geschichten erzählt. Und bei einem Hörbuch habe ich die Möglichkeit, allein – also nur mit meinem Regisseur und Tontechniker – den Rhythmus vorzugeben. Das hat für mich etwas mit Musik zu tun.
Noch lieber mache ich übrigens Hörspiele mit mehreren Sprechern. Auch „Boston Run“ hätte sich hervorragend als Hörspiel geeignet – und ergäbe sicher einen guten Film.

Welche Rolle spielt für Sie der Stoff?

Der ist als Handlungsgrundlage natürlich extrem wichtig, denn aus einem schlechten Text lässt sich kaum ein gutes Hörbuch machen. Deshalb nehme auch nicht blind alle Aufträge an, sondern wähle nur diejenigen Projekte aus, die mir inhaltlich zusagen. Allerdings bin ich oft erstaunt, wie schlecht heutzutage viele gedruckte Bücher – auch namhafter Autoren – lektoriert wurden.

Merken Sie eigentlich schon beim Einsprechen, ob ein Titel Erfolg haben wird, oder hängt der (wirtschaftliche) Erfolg vor allem vom Namen des Verlags und des Autors ab?

Die Bekanntheit von Verlag und Autor spielen sicher eine Rolle, aber es kommt auch auf eine kluge Vermarktung an.
Für mich wichtig ist dabei, dass die Figuren klar gezeichnet und nicht schablonenhaft sind. Sie müssen nicht bis ins kleinste Detail beschrieben werden, sollten aber insgesamt glaubwürdig sein. Und natürlich braucht die Geschichte ein gewisses Tempo.

Was macht für Sie als Sprecher einen guten Titel aus?

Nun, zunächst einmal sollte es eine spannende Geschichte sein, die sprachlich gut umgesetzt ist. Je vielseitiger die Charaktere sind, desto mehr Möglichkeiten habe ich beim Einsprechen. „Boston Run“ zum Beispiel hat all diese Kriterien erfüllt, und nur eine Stelle fand ich etwas überzogen. Viele Bücher haben zwar eine gute Grundidee, sind aber letztlich nicht ausgereift.

Gibt es einen bestimmten Charaktertyp, den Sie besonders gern oder eher ungern sprechen?

Auf „Boston Run“ bezogen war mir der Läufer Brian sympathischer als Chris, weil er vielfältiger war und ein breiteres Spektrum an Emotionen bot. Aber generell macht es auch Spaß, einen strunzdummen Ober, Zwerg oder Bösewicht zu spielen. Es ist eben die sprachliche Vielfalt, die mich reizt.

Ihre großen Erfolge kennt jeder, und in Kürze erhalten Sie für „Sturz der Titanen“ die dritte „Goldene Schallplatte“ für 100.000 verkaufte Exemplare. Aber haben Sie auch schon mal Titel eingesprochen, die ein richtiger Flop wurden?

Ja, einige! Beispielsweise „Antigone“ wurde als richtig aufwändiges Hörspiel mit vielen Sprechern und Musik eingespielt, aber nicht gut vermarktet. Und eine Reihe, die ich sehr gemocht habe, wurde nach fünf von zehn Titeln vorzeitig eingestellt, weil der Erfolg ausblieb.

Ist Ihnen bei einer Aufnahme auch schon mal etwas richtig schief gelaufen?

(lacht) Oh ja! Der Hauptdarsteller eines Thrillers hieß Ian, und ich habe es ganz automatisch auf die amerikanische Art Aien ausgesprochen. Erst ganz zum Schluss, als alles fertig war, stellten wir fest, dass der Typ aus Irland kam und es folglich Iien heißen musste. Ich durfte also mehrere hundert Sätze, in denen der Name vorkam, noch mal einsprechen und austauschen.

Und in unserem früheren Aufnahmebereich ist einmal eine Putzfrau an den Pegel des Aufnahmegeräts gestoßen, so dass dieser völlig verstellt war. Auch das ist uns erst beim Schnitt aufgefallen. Das Stück musste komplett neu aufgenommen werden. Seither darf keine Putzfrau mehr in die Nähe der Geräte.

Wie sind Sie eigentlich dazu gekommen, Hörbuchsprecher zu werden?

Letzten Endes war das Arbeitsamt daran „schuld“. Ich wollte damals aus einer Serie aussteigen. Da man aber nur dann Arbeitslosengeld erhielt, wenn man innerhalb von zwei Jahren zwölf Monate gearbeitet hatte, bot sich nur die Möglichkeit des Überbrückungsgeldes. Ich musste also für eine künftige Selbstständigkeit einen plausiblen Geschäftsplan vorlegen, um die Förderung zu erhalten. Und so habe ich mich entschieden, nicht nur Hörbuchsprecher sondern auch -produzent zu werden, um die gesamte Produktionskette abzudecken.

Und wie verlief der Start in die Selbstständigkeit?

Ich habe zunächst eine eigene Internetseite erstellt, CDs mit Hörproben verschickt und war auf der Leipziger Buchmesse. Vor fünf Jahren herrschte im Hörbuchbereich noch eine regelrechte Goldgräberstimmung, und mit einigen Empfehlungen hatte ich in dem noch überschaubar kleinen Bereich von Anfang an Erfolg.

Welchen Tipp würden Sie jemandem geben, der auch Hörbuchsprecher werden möchte?

Er oder sie sollte unbedingt gut vorbereitet sein, viel üben und lernen, einen langen Atem zu haben, um beispielsweise einen Spannungsbogen ohne Unterbrechung zu sprechen. Gute Voraussetzung ist eine Ausbildung als Schauspieler oder Musiker, aber generell ist es heutzutage deutlich schwerer, ins Geschäft zu kommen, als zu meiner Zeit.

Dann wünsche ich Ihnen weiterhin viel Erfolg und bedanke mich ganz herzlich für das Gespräch.

 

Frank Lauenroth (links) und Johannes Steck (rechts) beim Lüdinghauser Hörbuchtag 2011. (Foto: Pit und Land GmbH)

 

Johannes Steck im Einsatz (Video):
beim Einsprechen von „Boston Run“

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